Tag 62: Schwester

Stellen Sie sich vor, sie wären 10 Jahre alt und endlich wurde Ihnen die kleine Schwester geschenkt, die Sie sich schon immer gewünscht haben.

Blume in gelb und orange

Und stellen Sie sich vor, diese kleine Schwester wäre die beste Schwester, die man sich nur wünschen kann: wild, klug, witzig, schön, mutig, ehrlich und gerecht. Stellen Sie sich vor, wie glücklich Sie darüber wären. Wie sehr Sie diese kleine Schwester lieben würden. 

Und dann stellen Sie sich vor, dass es dieser wundervollen kleinen Schwester nicht immer so erging, wie Sie sich das für sie erhofft hätten oder wie es gut und richtig gewesen wäre. Und sicher hätte es anders laufen können, aber Sie hätten es nicht verhindern können, weil Sie eben selbst noch ein Kind waren und nicht alles verstanden haben und auch, weil Ihre Möglichkeiten begrenzt waren. Denn, selbst wenn Sie 10 Jahre älter waren, so waren Sie doch noch jung.

Stellen Sie sich weiterhin vor, irgendwann viele Jahre später, als Ihre geliebte Schwester bereits ein neues Leben auf einem anderen Kontinent begonnen hat, bekommen Sie ein Kind, ein Wunschkind.

Und nun stellen Sie sich vor, dieses Kind wäre der geliebten Schwester überraschend ähnlich. Kein Klon, aber eine unübersehbare Ähnlichkeit. Und auch die Persönlichkeit Ihres Kindes ist wild, klug, witzig, schön, mutig, ehrlich und gerecht. Hätten Sie dann nicht auch das Gefühl, dass Sie etwas von damals wieder gut machen können? Selbstverständlich bleiben die Wunden der Kindheit Ihrer Schwester dadurch weiterhin bestehen. Nichts wird ungeschehen gemacht. Aber es erscheint doch wie eine Chance des Schicksals zu zeigen, wie es so einem Kind besser ergehen kann und wie gut es dann gedeiht.

Stellen Sie sich vor, wie zufrieden Sie das Glück Ihres geliebten Kindes Sie machen würde und wie dankbar Sie wären, für diese Chance.

Und jetzt frage ich Sie, nachdem Sie Ihre Vorstellungskraft derart bemühen mussten: Wäre es nicht ganz folgerichtig, wenn Ihre kleine Schwester dereinst mal ein Kind bekommt, dass es so werden würde, wie Sie es als Kind waren?

5 Gedanken zu „Tag 62: Schwester“

      1. Ach das weiß ich doch! Es kamen nur gerade zwei Dinge so heftig zusammen:
        Dem kindlichen Ich von damals „verzeihen“, weil es eben noch gar nichts unternehmen konnte.
        UND eine Tochter zu haben, die aussieht wie die eigene Schwester als Kind…

        Gefällt 1 Person

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