Tag 50: Stress

Es gibt selbstverständlich einen Podcast Tipp direkt vorneweg:

Macht Stress krank? Auf den Spuren eines Phänomens 

Spoiler: Einerseits tut Stress uns gut, aber nicht wenn er unsere Existenz bedroht. Denn dann ist er wirklich „tödlich“.

In meinem Leben hatte ich schon etliche Vorgesetzte und habe einige Krisen mitgemacht. Ich bin im Familienbetrieb aufgewachsen und war beim Untergang dabei. Die Firma zu verlieren, war ganz ähnlich, wie einen Menschen zu verlieren. Es tat sehr weh und ich glaube wir waren danach alle in einer depressiven Phase. Insolvenz stigmatisiert. Man hat scheinbar versagt und damit die eigene Unfähigkeit offenbart. Ich kann gar nicht zählen, wie viele Leute mir erklärt haben, was wir falsch gemacht haben. Gesellschaftliche Umstände zählten nicht. Das wurde vom Tisch gewischt. Immer und immer wieder. Wie so oft, ist das Stigma schlimmer, als ihre Ursache. Davon ab hat man seinen Alltag verloren, sein Einkommen und – das ist das Schlimmste – die Menschen, die man sich für die Zusammenarbeit ausgesucht hat. Diese muss man in eine ungewisse Zukunft entlassen, statt sie wie bisher täglich oder zumindest regelmäßig zu sehen.

Der Vorteil war: Ich hatte mich an ein Ausmaß von Stress, Druck und emotionaler Belastung gewöhnt, die meine Messlatte sehr hoch geschoben haben. In unserer Familie hatten wir immer viel darüber gesprochen, wie wir uns in stressigen Situationen verhalten können, um die Krisen möglichst effizient zu bewältigen. Phasen, in denen einfach nur sehr viel zu tun waren, die haben deshalb immer bestens geklappt. Im Weihnachtsgeschäft hatten zwar alle Stress bis zum Anschlag, aber die Stimmung war super und es wurde sich dabei gegenseitig unterstützt, besondere Herausforderungen zu meistern. Es wurde nie jemand mit seiner Arbeitslast hängen gelassen. Man achtete gegenseitig aufeinander und jeder ging von sich aus auf diejenigen zu, die grade überfordert waren.

Ich habe später meistens in einer Umgebung gearbeitet, ähnlich gut funktioniert hat. Ich habe mich früher auf die besonders anspruchsvollen Arbeitstage gefreut.

An der Uni gab es immer wieder schlimme Phasen, weil unsere Professorin wirklich ein psychisch äußerst schwieriger Mensch war. Aber in Phasen, wo viel zu tun war, da hielten wir im Groben und Ganzen zusammen und unterstützten uns gegenseitig.

In der Firma, in der ich dann arbeitete, hatte ich einen Chef, der ein besonderes Talent hat:

In stressigen Phasen – solche mit viel Arbeitsaufkommen + wenig Zeit + schwierigen Partnern/Kunden – konstruktiv bleiben, obwohl er oft durch seine eigene Mitarbeit nicht unterstützen konnte, im Sinne von mitarbeiten, sondern er konnte wirklich nur führen.

Und ich möchte einiges davon auflisten, weil mir genau diese Dinge in den letzten Wochen so gefehlt haben.

Ex-Chef-Stategien für Stress-Phasen:

  • Um seine Mitarbeitenden kümmern: Ihnen Trinken nachschütten, sie fragen, ob sie genug getrunken haben, Mittagessen besorgen, zum Abendessen einladen. Kranke Leute trotz allem Heim schicken.
  • Darauf bestehen, dass Leute, die lange gearbeitet haben, auch Pause machen bzw. nach Hause gehen oder mal später kommen.
  • Leute, die sich im Stress trotzdem mit ihrer Leistung zurückhalten (also kurz gesagt: die Faulen), herbeiholen und sie verpflichten die „Durchpowernden“ (kurz: die Fleissigen) zu unterstützen. Ihnen werden auch konkrete Aufgabenpakete zugewiesen und klare Fristen gesetzt. Wenn sie in der Pause angetroffen werden, dann wird geprüft, ob diese mit der durchpowernden Person abgesprochen war, oder ob sie sich davongeschlichen haben.
  • Wenn Probleme auftauchen: Gespräche unterbinden, die darum kreisen, wer jetzt daran Schuld ist.
  • Wenn eine Person vor Arbeit grade untergeht, jemanden beschaffen, der diese Person unterstützt und diese dann auch so weit wie möglich in ihre Aufgaben einweisen.
  • Bei Gesprächen darüber, welche Dinge priorisiert werden sollen, die Meinung derer besonders gründlich anhören, die am meisten damit zu tun haben. Jene, die wenig damit zu tun haben, aber besonders laut und aufdringlich ihre Meinung kund tun, zum Schweigen bringen, nachdem sie sich einmal geäußert haben.
  • Leute, die alles geben, immer wieder Dank ausgesprechen, auch vor dem ganzen Team. Immer wieder. Jeden Tag. Und es auch so meinen.
  • Leute, die unter Stress unleidlich und fies werden, vom Team trennen und Aufgaben zuweisen, die sie allein erledigen können. Ihnen wird ganz klar gesagt, dass sie ihre Beschwerden nach oben und nicht an die Kolleg:innen zu richten haben.
  • Bei Konfliken im Team: moderieren.
  • Wenn um Entscheidungen gebeten wird, dann kommen klare Antworten. Durch strukturiertes Besprechen und schriftliche Fixierung wird dabei Missverständnissen entgegengewirkt.
  • Zu den eigenen Entscheidungen stehen.
  • In Konflikten mit Außenstehenden oder Höherstehenden immer vor’s Team stellen.
  • Positive Haltung, unterstützt durch Körpersprache und Tonlage. Eigenes Genervtsein selbst managen.
  • Weniger delegieren, als sonst und mehr selbst erledigen. Auch mal einfach Aufgaben übernehmen, wenn dies in den Stress-Spitzen entlastet. Zuerst kommen und zuletzt gehen.
  • Wenn alles überstanden ist, zusammen feiern gehen, den Beitrag von jedem Teammitglied würdigen, dabei selbst Bescheidenheit pflegen. 

    Bis vor einigen Wochen war mir bei einigen Punkten gar nicht klar, dass man das in einer Situation mit immenser Arbeitslast und Zeitdruck anders machen kann und trotzdem überlebt.

    Offensichtlich ist das möglich und ich dachte mir: Vielleicht halte nur ich diese Strategien für hilfreich und andere Menschen finden sie gar nicht gut.

    Deshalb frage ich Euch: Was hilft Euch im Stress an Strategien bei Vorgesetzten?

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