Tag 11: Geschirrtücher

Meine Mutter findet meinen Haushalt unmöglich. Wenn Sie mal da ist, dann werde ich mit kritischen Fragen konfrontiert:

„Warum hast du so wenig Geschirrtücher aus Leinen?“

„Äh. Keine Ahnung.“

Meine Mutter hat nämlich immer 3 Arten von Geschirrtüchern in der Küche hängen:

  1. Aus Leinen zum Geschirrabtrocknen
  2. Aus Frottee zum Händeabtrocknen
  3. Mehrere aus Baumwolle für verschiedene Zwecke: Um Obst und Gemüse abzutrocknen, um die Hundenäpfe abzutrocknen, …
Meine verschiedenen Geschirrtücher aus Leinen, Frottee und Baumwolle

Ich blicke da auch nicht komplett durch ihr System der Geschirrtücher. Im Bad geht es ähnlich komplex daher. Und auch bei Lappen und Schwämmen ist alles kompliziert. Für mich. Für sie ist es logisch.

„Nein, der ist nur für die Dusche zum Trocknen nach dem Duschen. Wenn ich die Dusche reinige mit Putzmittel, dann nehme ich diesen hier!“

Bei mir Zuhause gibt es alle möglichen Arten von Geschirrtüchern. Unter anderem weil meine Mutter mir vorsorglich von jeder Sorte immer mal wieder welche schenkt. Aber ich gehe ganz anders mit ihnen um. Ich nutze die Geschirrtücher egal welchen Materials für alle Zwecke, aber ich tausche sie ständig aus. Es sind immer zwei in Gebrauch. Eines für die frisch gesäuberten Dinge, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen werden und eines für eher schmuddeligen Dinge. Sobald ich finde, dass das frische Tuch kontaminiert ist, wird es zum Schmuddeltuch degradiert und das jetzige Schmuddeltuch kommt in die Wäsche. Das gleiche System gilt bei Lappen.

Wir nerven uns deshalb mit unseren verschiedenen Gewohnheiten gegenseitig. Ich nerve meine Mutter wegen der mangelnden Geschirrtuchdifferenzierung. Und sie nervt mich, weil ich finde ihre Geschirrtücher werden zu selten ausgetauscht.

Ähnlich ist es mit Seife. Meine Mutter verdünnt die Flüssigseife stark mit Wasser. Deshalb spritzt einem die Seife aus dem Spender immer aggressiv entgegen, weil die Seifenspender auf eine andere Konsistenz ausgelegt sind. Das macht mich dann aggressiv. Meine Mutter dagegen empört sich über meine Verschwendung, weil ich die Flüssigseife nicht verdünnen.

Auf diese Art könnte ich jetzt noch etliche andere Dinge durchgehen, wo wir verschiedene Gewohnheiten entwickelt haben und uns damit gegenseitig nerven. Nicht dieses sich-gegenseitig-anbrüllen-Nerven. Sondern wir sind dann gestört in unseren Abläufen und Hausarbeit funktioniert da gut, wo es fest verinnerlichte Abläufe gibt. Ein Handgriff folgt auf den anderen und das mit einer Selbstverständlichkeit, dass man nicht darüber nachdenken muss.

Der französische Mikrosoziologe Jean-Claude Kaufmann nennt das den Tanz mit den Dingen.

Und ich gehöre zu den Menschen, die sich die Schritte nur schwer merken können. Deshalb fehlt meinem Haushaltstanz jede Leichtigkeit. Ich bin eher so die Tänzerin, die die ganze Zeit die Zähne zusammenbeißt und auf die Füße starrt, während der Tanzlehrer ruft:

„Lächeln, Esther, und schau deinen Tanzpartner an, nicht deine Füße!“ 

Über die Mikrosoziologie des Haushalts werde ich hier regelmäßig schreiben und gelegentlich auch mal aus z.B. Kaufmann ein wenig zitieren.

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