Pläne für die Schulzeit

Wir brauchen dringend mehr Struktur. Das Kind kommt in die Schule, dann müssen wir spätestens um 7 Uhr aufstehen und das Kind braucht zurzeit optimaler Weise 11-12 Stunden Schlaf pro Nacht. Das mag manchen für ein sechsjähriges Kind viel vorkommen, aber das ist trotzdem so. Das Kind brauchte schon als Baby viel Schlaf.

Damit haben wir schon das Problem, dass das Kind nicht alles machen kann, was es nachmittags gern tun möchte. Das allein ist ja schon ein triftiger Grund nicht ins Bett gehen zu wollen.

Wenn wir also um 7 Uhr aufstehen, das Kind um 8 Uhr in der Schule sein muss, der Weg ca. 20 Minuten dauert, dann haben wir morgens 40 Minuten und das ist sportlich, oder? Da wird keine Zeit für Spielen oder Kuscheln bleiben. Dann kann ich das Kind ab 15 Uhr an der OGS abholen. Mit dem jetzigen Job ist das kein Problem, wie es jobmäßig weiter geht, steht auf einem anderen Blatt. Die OGS hat jedoch bis 16 Uhr auf, ich hab also Luft. In der Kita ist es meist so, dass das Kind nicht gern vor 16 Uhr abgeholt wird. Um 18 Uhr müssen wir spätestens mit unserem (meistens warmen) Abendessen beginnen. Dann sollte das Kind um 19:30 Uhr im Bett liegen und langsam einschlafen.

Wenn ich also das Kind tatsächlich erst um 16 Uhr abhole, dann hat es Zuhause nicht einmal 2 Stunden, bis zum Abendessen. Ich finde das soooo wenig. Mit Freundinnen* treffen ist in der kurzen Zeit schwierig.

Ich hoffe auf Verabredungen, dass eine Freundin mit zu uns kommt (oder das Kind mit zur Freundin) und dann ist der Kinderabschied erst nach dem Abendessen.

Weiterhin möchte ich das Abendessenkochen unbedingt effizienter gestalten. Ich möchte einen großen Tiefkühlschrank und dann am Wochenende jeweils pro Tag Portionen für 2-3 zusätzliche Tage mitkochen und diese einfrieren. Das kann ich dann über den Monat verteilt aufbrauchen. So hoffe ich im Schnitt nicht mehr als 30 Minuten zur kompletten Vorbereitung des Abendessens zu brauchen. Einkaufen würde ich im Schwerpunkt nur noch ein mal in der Woche, freitags oder samstags.

Der Abendessen-Wochenplan würde dann Spielraum lassen gelegentlich auch mal was beim Imbiss zu kaufen, damit wir noch mehr Zeit haben können, wenn wir wollen. Problematisch ist an diesem Plan, dass ich dann am Wochenende durch das Vorkochen ziemlich gebunden bin. Ich werde sehen, ob sich das irgendwie entschärfen lässt.

Wie macht Ihr das denn so nach einem langen Tag in der Betreuung die Zeit mit Eurem Kind oder Euren Kindern noch gut zu nutzen?

*generisches Femininum hier und im Folgenden

50 Shades of Haushalt

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich diesen Blog mal gegründet, um mir Dinge aus dem Kopf zu schreiben und zu veröffentlichen, ohne groß zu lektorieren und zu hardern. Dann kam die große Erschöpfung und ich hab nie wieder richtig reingefunden ins Bloggen. Einerseits weil die Nachwehen der Krankheit so lange anhielten, andererseits weil ich erst andere Dinge erledigen wollte. Außerdem hatte sich mein Abendablauf geändert und ich schreibe ja immer abends.

Nun denn. Seit einiger Zeit gehe ich mit einer Idee schwanger, die ich hier nie vorgestellt habe, weil die Skeptikerin in meinem Kopf sagte:

„Erst wenn sie ausgereifter ist.“

Und heute dachte ich plötzlich:

„Warum sollte ich so lange warten? Warum soll die Idee nur in meinem Hirn schmoren, wo doch andere eventuell schon Gedanken beitragen können, die total reifungsfördernd sind?“

Die Grundlagen der Grundzüge

  1. Die Aufgaben im Hauhalt werden von unterschiedlichen Menschen ganz verschieden ausgeführt (soziologisch: individuelle soziale Praxis).
  2. Die Anforderungen, Erwartungen und Ideale darüber, wie ein Haushalt auszusehen hat, decken wahrscheinlich einen Bereich ab, der kleiner ist, als die existenten sozialen Praktiken. Sprich: Etliche Menschen werden in Haushalten leben, die außerhalb des normierten Bereichs anzusiedeln sind. Sie weichen auf verschiedene Arten von sozialen Normen ab.
  3. Vermutlich wird sich die Normalität von Haushalten in verschiedenen Dimensionen auf einer Skala zwischen „zu schmuddelig“ und „zu penibel“ einordnen lassen.

Nun weiß ich nichts von Studien, die versuchen diese „Haushaltsskala“ irgendwie zu erfassen. Meine Zeit an der Uni ist lange her, vielleicht gibt es solche Studien und ich hab sie damals nicht gefunden oder sie wurden inzwischen gemacht. Wer etwas weiß: Ich freue mich über jeden Tipp.

Methodisch ist es selbstverständlich ziemlich schwierig so eine Skala zu erstellen, denn es geht um einen recht intimen Bereich und individuelles Empfinden spielt eine große Rolle. Wie soll man Objektivieren? Welche Einheiten kämen für eine Messung überhaupt in Frage?

Da Hausarbeit im akademischen Bereich eh nicht der große Karrieregarant ist und Methoden gefragt wären, die in den deutschen Sozialwissenschaften wenig anerkannt sind, kann ich mir gut vorstellen, dass diese Lücke existiert.

Mir persönlich können aber all diese Probleme total wurscht sein. Und ich finde das Thema mega interessant. Also gehe ich dem im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten einfach mal nach.

Dimensionen des Haushalts

Zuerst einmal brauche ich Dimensionen, innerhalb dessen ich den Haushalt erfassen möchte. Denn der Haushalt umfasst so viele verschiedene Tätigkeiten, da muss ich etwas vorsortieren, damit ich einen strukturierten Zugang habe. Also teile ich den Haushalt ein in:

  • Wäsche: Alle Stationen der Wäschestücke nach dem Erwerb, also z.B. Schmutzwäsche sammeln und sortieren, Waschen, Trocknen, Bügeln, Falten, Verräumen
  • Kochen: Alle Aufgaben betreffend der Versorgung mit Nahrungsmitteln, z.B. Einkaufen, Vorratshaltung, Vor- und Zubereitung, Organisation der Mahlzeiten, Nachbereitung
  • Ordnung: Alle Aufgaben des Verstauens von Dingen, z.B. Strukturieren der Räumlichkeiten und Stauräume, Sortierungen, Ordnen, Aufräumen
  • Sauberkeit: Kurz gesagt die Enfernung von unerwünschter Materie, also alle Arten der Reinigung, z.B. Saugen, Putzen, Staubwischen, Fensterputzen

Es gibt selbstverständlich noch mehr Dimensionen im Haushalt. Etwa Pflege und Fürsorge, Buchhaltung, Garten, Wartung und Reparatur… Aber zuerst möchte ich mich auf diese großen Kernbereiche konzentrieren, die meiner Einsicht nach auch die meiste Zeit verbrauchen und in fast jedem Haushalt anfallen.

Ich könnte diese Dimensionen auch anders einteilen. Ich könnte das Ganze auch Bereiche, oder Kategorien des Haushalts, statt Dimensionen nennen. Aber Dimensionen gefällt mir grade gut, weil es ein bisschen die Unendlichkeit dieser Aufgaben anzudeuten vermag.

Der große Plan

Also das Ziel ist es in einem ersten ambitionierten Schritt für die vier Dimensionen je eine Skala zu entwickeln, die die soziale Praxis von „ganz locker“ bis „ganz streng“ abbildet und schonmal erste Hinweise zu sammeln, wo innerhalb dieser Skala der Bereich des sozial Akzeptablen und des Idealen verortet sein könnte. Mich interessieren dabei auch die Abstände, die in den Individuen selbst zu finden sind, also um wie viel „Punkte“ strenger oder lockerer sie sich den eigenen Haushalt bzw. ihre alltägliche Praxis wünschen. Oder wie sehr ein möglicher Abstand von einem Ideal schmerzt.

Ich stelle mir das so vor, dass ich am Ende dieser Phase je Dimension eine Skala von 1 bis 10 oder 1 bis 100 oder sonstwas in diese Richtung habe, auf der ich die soziale Praxis von jedem Haushalt verorten könnte. Dafür brauche ich Parameter, anhand derer ich das erkennen und einordnen kann.

Ich habe schon einige Ideen, aber zuerst kommt eine quantitative Phase, in der ich hoffe die Breite der sozialen Praxis einigermaßen zu erfassen und darüber geeignete Parameter zu finden.

In einem zweiten noch ambitionierteren Schritt würde ich versuchen einen quantitativen Fragebogen zu entwickeln, mit dem ich dann die Streuung innerhalb der Parameter erfassen möchte.

Strengen wissenschaftlichen Kriterien muss ich dabei nicht entsprechen und ich muss mich auch nicht vor irgendeinem Fachkollegium dafür rechtfertigen, wie relevant das alles jetzt ist und in wie fern dies das Fach inhaltlich voranbringt oder dem Steuerzahler (TM) einen Nutzen bringt. Das empfinde ich als sehr befreiend. Ich kann mein erlerntes Handwerkszeug nutzen, bin jedoch niemand Rechenschaft schuldig. Konstruktive Kritik ist selbstverständlich dennoch erwünscht, im Sinne von: Es trägt pragmatisch was zur Sache bei.

Der kleine Plan

Ich brauche zuerst einmal also eine Vorstellung von der aktuellen sozialen Praxis. Und um sie in ihrer Breite zu erfassen, möchte ich gern als Erstes Interviews führen mit Menschen, die sich selbst in einer oder mehreren Dimensionen des Haushalts verhältnismäßig nah an Extrempunkten der Skala verorten würden.

Also z.B. Menschen, die von sich sagen, dass sie es sich mit der Wäsche super einfach machen oder welche, die sich selbst als sehr anspruchsvoll mit der Wäsche beschreiben würden. Oder Menschen, die von sich sagen, dass sie es mit der Ordnung so gar nicht hinbekommen. Oder welche, die von sich sagen: „Ich wünschte ich könnte Dinge auch mal liegen lassen.“

Ich fomuliere das mal beispielhaft für jede Dimension aus, jedes Zitat habe ich so oder so ähnlich mal im echten Leben zu hören bekommen. Sie sind aber nur als Inspiration zu sehen, nicht als Vorgabe.

  • Wäsche: „Ich bügle alles. Der Anblick der ordentlichen Wäsche im Schrank macht mich glücklich.“ vs. „Wenn ich keine saubere Wäsche mehr hab, dann hau ich einfach ein paar Brocken in die Maschine. Wozu soll man überhaupt Wäsche sortieren? Ein Bügeleisen besitze ich noch nicht einmal.
  • Kochen: „Abwechslungsreiche Ernährung ist mir sehr wichtig. Ich koche kein Gericht zweimal in einem Jahr.“ vs. „Tiefkühltruhe auf, Packung in die Mikrowelle, das reicht mir im Alltag vollkommen.
  • Ordnung: „Wenn nicht jedes Teil an seinem Platz liegt, fühle ich mich nicht wohl.“ vs. „Ich mag einfach Kram. Und der darf auch gern überall herumliegen.
  • Sauberkeit: „Ich putze das Klo mindestens vier mal pro Tag.“ vs. „Ich besitze keinen Wischer. Ein paar mal im Jahr saugen reicht doch.

Warum genau diese Extrempunkte?

Mir ist natürlich klar, dass die soziale Praxis sich nicht nur danach einteilen lässt, wie sehr sie angenommene Erwartungen oder Idealen entspricht. Diese sozialen Erwartungen, also die Normierung des Haushalts, hat aber immense Auswirkungen. Um es kurz zu machen: Wir können kaum wissen, was an Sauberkeit und Ordnung wir ganz persönlich brauchen, weil die Normen so tief in uns eingeschrieben sind, dass sie dadurch zu einem Teil unserer Persönlichkeit geworden sind.

Wenn wir einen gesellschaftlichen Diskurs darüber führen wollen, welchen Stellenwert Hausarbeit hat, dann sind wir nämlich immer wieder mit dem Problem konfrontiert, dass Hausarbeit „ja eigentlich keine richtige Arbeit ist„. Dann werden z.B. die für den Haushalt Verantwortlichen als zu anspruchsvoll angesehen und das nicht selten mit einer Rhetorik, die suggeriert, man könne Hausarbeit auf so ein Minimum reduzieren, dass ihr Zeitverbrauch marginal wird.

„Das bisschen Haushalt macht sich doch von selbst.“

Andererseits spiegelt der Haushalt aber auch in einer sozial durchaus anerkannten Weise die Wertigkeit der in ihr lebenden Personen wieder und das auf sehr viele verschiedene Arten und Weisen. So ist z.B. der Tropus vom Haushalt als einem Zeichens von Liebe durchaus in unserer Gesellschaft noch präsent. Die Sorgfalt mit der einigen Menschen eine hochwertige und gepflegte Umgebung geboten wird, sagt viel darüber aus, wie geschätzt diese Menschen sind, oder für wie wichtig sie von ihrem Umfeld gehalten werden.

Deshalb stelle ich mir Fragen, wie:

  • Wie wenig Hausarbeit ist überhaupt sozial akzeptabel?
  • Offenbar gibt es Grenzen, ab denen Hausarbeit nicht mehr als Pflichterfüllung, sondern als Hobby oder pingelige Schrulligkeit angesehen wird. Wie eng und stabil sind diese Grenzen?

Deshalb interessiert mich diese Skala so sehr. Ich denke nicht, dass ich damit eine völlige Abdeckung oder Präzision erreichen kann. Es geht mir dabei eher darum, überhaupt Grundlagen dafür zu schaffen, gesellschaftliche Diskurse über Zeitverbrauch und Ansprüche der Hausarbeit nicht nur in der völligen Subjektivität zu führen. Mir ist klar, dass diese Grundlagen nur Indizien sind. Aber Indizien sind eben doch schon mehr, als individuelle Meinungen.

Der Aufruf

Ich möchte mich im ersten Schritt sehr gern konzentrieren auf Menschen, die

  • Sich als Hauptverantwortliche für einen Privathaushalt begreifen (wenn die Hauptverantwortung mit einer weiteren Person geteilt wird, zählt das selbstverständlich mit. Wer aber eher Anweisungen im Haushalt entgegen nimmt, nur einen sehr begrenzten Wirkkreis hat oder sich nur selten an Hausarbeit beteiligt, ist eben nicht hauptverantwortlich, sondern vielleicht eher nebenverantwortlich oder trägt sogar gar keine Haushaltsverantwortung)
  • Im Haushalt noch ein oder mehrere Kinder wohnen, die noch nicht volljährig sind

Diese Begrenzung soll mir dabei helfen etwas systematischer zu explorieren. Da der Haushalt mit Kindern eine besondere Herausforderung darstellt, halte ich ihn für einen guten Ausgangspunkt. Außerdem interessiert es mich persönlich auch am Meisten.

Wenn Du Dich also wiederfindest in meinem Aufruf, dann tritt sehr gern mit mir in Kontakt.

Methodik

Ich würde diese Interviews gern per Mail führen und sie sollen hauptsächlich narrativ sein. Wie stark Ihr anonymisiert werden wollt, entscheidet Ihr und bevor ich Interviews veröffentlichte, würde ich Euch die Texte selbstverständlich zum Gegenlesen geben. Und wenn Ihr mir Eure Geschichte nur erzählen wollt, damit ich sie als Hintergrundwissen für die Haushaltsskala nutzen kann, ohne dass Zitate von Euch veröffentlicht werden, ist auch das vollkommen okay für mich.

Ich freue mich sehr auf Euer Feedback und Eure Geschichten.

Tretet gern in Kontakt mit mir über die E-Mail-Adresse: estheruiuiui(at)gmail(Punkt)com

Schlafen

Das Thema ist ein Dauerbrenner in meinem Leben. Etwas, das nie gut war, wird vermutlich durch ein Kind nicht besser.

Ich kann es inzwischen auf die Formel bringen: Wir drei in unserer kleinen Familie, haben alle ein ernstes zu-Bett-geh-Problem. Für alle anderen zahlreichen Schlafprobleme haben wir inzwischen Lösungen gefunden. Aber das zu-Bett-geh-Problem bleibt der Elefant im Raum.

Warum ist es eigentlich so ein riesen Problem ins Bett zu gehen? Schlafen ist doch so schön. Morgens vor allem. Aber abends ist es so schwer das Wachsein loszulassen, egal wie müde und erschöpft wir sind. Nur noch ein bisschen Leben. Noch ein bisschen spielen, denken, lesen, fernsehen, essen, aufräumen, rausgehen, chatten, telefonieren, reden, planen, im Internet surfen, backen. Nur noch ein kleines bisschen. Nie hängen wir mehr am Leben, am wachen Erfahren, als abends. Der Schlaf ist der kleine Tod. Den wir jeden Abend sterben.

Dann sind da die Ängste. Ängste haben abends ihre große Stunde. Da ist dieser leere Raum, diese Zeit, die sich theoretisch zwischen Wachsein und Schlafen erstreckt. In diesem leeren Raumzeitkontinuum fühlen sich Ängste wohl. Das ist die unpraktische Praxis unseres Lebens, dass dieser theoretisch leere Raum so nicht leer bleibt, sondern sich endlos füllen kann. Mit der Angst, oder der Flucht vor ihr.

Seit das Kind „Bibi und Tina – Der Film“ geschaut hat, hat diese Schlafangst ein Gesicht: Der Nachtalb. Eigentlich ist das nur ein Satz von Dagobert, dem Butler von Graf Falco, mit dem er erklärt, warum die Betten so kurz waren, damals. Man saß in den Betten, aus Angst, dass sich der Nachtalb auf die Brust setzt, wenn man liegend schläft.

Dieses Loslassen und keine Kontrolle mehr zu haben über den eigenen Körper. Dieser gruselige Zustand des Träumens, in dem einfach ALLES passieren kann.

Aber es hilft eben auch alles nichts. Alle Erkenntnis darüber, warum das zu Bett gehen ein Problem ist, hilft nicht. Denn damit verbunden sind existenzielle Grundfragen des Lebens, auf die es keine Antworten gibt. Alles Philosophieren hin oder her: Wir MÜSSEN schlafen. Sonst werden wir krank. Wir brauchen den Schlaf, um gesund zu bleiben. (Mit „wir“ meine ich hier nur unsere kleine Familie.) Schlafmangel bekommt uns nicht.

Als ich Ende Dezember bis Anfang Januar extrem wenig schlief, hatte ich in der Folge erst eine Magenschleimhautentzündung und bekam kurz danach noch die Grippe und zwar so richtig heftig. Letztens hatte das Kind dann eine Woche mit deutlich zu wenig Schlaf. In der Folge fieberte es fast zwei Wochen, ohne dass die Ärztinnen eine richtige Diagnose stellen konnten, aus purem Mangel an aussagekräftigen Symptomen. Beunruhigt waren wir alle, denn es ging dem Kind nicht gut.

Es hilft also alles nichts. Wir müssen unsere existenziellen Gefühle um das Einschlafen in den Griff bekommen und verdammte Axt nochmal genug schlafen. Wir alle drei! Jetzt grade hangeln wir uns mehr da durch. Es „funktioniert“ eher auf dem Level von „irgendwie“. Weil wir Spielraum haben morgens. Aber im September fängt die Schule an, und dann ist es aus mit unserem Spielraum.

Ich habe ein paar lose Ideen, wie ich das anpacken kann. Ein Punkt dabei ist in der Woche nicht mehr zu kochen, sondern am Wochenende vorzukochen und dann in der Woche nur noch aufzutauen. Dadurch spare ich Zeit und hoffe, dass wir das Essen dann bis 18:30 Uhr verspeist haben. Danach kann dann das allabendliche Match zwischen Kind und Eltern starten, damit das Kind zeitig ins Bett geht, was es niemals niemals niemals möchte. Nur noch ein bisschen spielen, ein Nachtisch noch, noch einmal kurz raus, nur noch eine Geschichte. Und noch eine. Und noch eine. Noch reden, noch Angst vorm Nachtalb haben. Nochmal trinken, Pippi machen. Noch kuscheln und noch viele Fragen stellen. Ja, ich verstehe das alles. Ich bin doch genauso! Aber es hilft ja nichts.

Manchmal möchten wir nicht die Dinge tun, die wirklich gut für uns sind. Wir möchten manchmal zu viel. Zu viel Wachsein. Zu viele Gummibärchen. Zu viel von diesem und jenem. Zu wenig Schlaf.

Wir haben das ausgereizt. Wir müssen es jetzt schaffen. Denn wenn wir es nicht schaffen für genügend guten Schlaf zu sorgen, dann wird unser aller Lebensqualität massiv darunter leiden.

Schlaf ist nicht profan. Schlaf ist so wichtig. Atmen, trinken, essen, schlafen. Das alles reguliert sich irgendwie von selbst. Aber manchmal ist „Irgendwie“ halt nur überleben.

Wir sollen in Zukunft gut atmen, gut essen und trinken, gut schlafen und hoffen am Ende gut zu leben.

Einschulung 30.08.2018. Der Countdown läuft.

Das kreative Kind

An einigen Tagen fordert mir das Kind quasi alles ab, damit ich nicht irgendwann einfach den Stinkefinger zeige und brülle:

„Mach deinen Kack doch allein!“

Aber meistens bin ich so ein Fan vom Uiuiui Kind. Ich finde es bezaubernd, wundervoll und einzigartig. Ich gerate richtig ins Schwärmen. Deshalb sage ich auch, dass ich das Kind nach Strich und Faden verwöhne. Wirklich.

Es gibt ja verschiedene Arten des Verwöhnens. Einerseits dieses Verwöhnen mit Zuwendung und andererseits das Verwöhnen mit materiellen Gütern. Und ich schöpfe mit beiden Händen beides aus. Die ersten Jahre waren finanziell karg und jetzt lasse ich mich mitreißen von der Begeisterung des Kindes und gebe ständig mehr Geld für Spielzeug aus, als ich geplant habe. Ich kaufe mir selbst nach wie vor wenig, kaum das Nötigste. Wenn ich mir schon mal ein Buch kaufe, komme ich mir verwegen vor. Aber das Kind? Ach, komm! Warum nicht?

Ja, dass ist meiner Meinung nach nicht die Art des Verwöhnens, die zwingend nur toll ist. Mit Liebe und Zuwendung überschütten: Ja. Jedes Mal beim Einkaufen Spielzeug: Nein. Ich glaube es ist aber bei Menschen, die finanziell länger in einer prekären Lage waren, nicht selten so. Also gönne ich uns beiden dieses gemeinsame Schwelgen grade.

Ich möchte mal ein wenig erzählen davon, wie das Uiuiui Kind dieser Tage seine Persönlichkeit entfaltet. (Ich bin auch an einem Punkt angelangt, wo ich nicht mehr sicher bin, ob das Kind noch einverstanden ist, hier „das Kind“ zu sein. Weil es unpersönlich ist. Weil es sich mit einem Geschlecht identifiziert. Weil es nicht „das Kind“ sein möchte. Aber das entscheiden wir demnächst zusammen.)

Das Kind hat in näherer Zukunft Geburtstag. Da wir letztes Jahr wegen Krankheit und Erschöpfung den Geburtstag nicht richtig gefeiert haben und die Feier im Sommer nachholten, ging das Kind dieses mal frühzeitig in die Planung. So bitte dieses Jahr nicht! Dieses Jahr ein richtiger Geburtstag. Mit selbstgebackenen Torten, Deko und einer tollen Feier. Wir diskutierten aus, wo die Feier stattfinden soll und dann legte das Kind los.

Nach kurzer Recherche auf Pinterest entschied es sich für das Einladungskonzept „Feenstab“ in Sternform. Es fertigte eine Zeichnung an und erklärte mir, dass auf die Vorderseite vom Stern ein Schneemann komme, weil es ja im Winter Geburtstag hat. Wir kauften Bastelmaterial ein. Bei der Auswahl hatte ich beratende Funktion, das Kind entschied aber selbst. Zuhause wählten wir dann über Google Bildersuche eine Sternform aus. Ich druckte diese in der passenden Größe aus und das Kind schnitt die Vorlage aus und zeichnete mit etwas Unterstützung vom Hrn. Uiuiui den Umriss der Sternvorlage 6 mal auf den Tonkarton, schnitt die Sterne aus und radierte die Bleistiftumrisse weg. Und dann bastelte es fast ganz allein die Einladungen. Wir halfen nur ein wenig bei dem Kleber, auf Wunsch und nach präziser Anweisung vom Kind. Das Festkleben der Stohhalme übernahmen wir.

Ich finde das Endergebnis wirklich so toll, einfach wunderschön. Das Kind hat von uns im kreativen Prozess wirklich eher eine Art Assistenz bekommen, wir haben uns in die Gestaltungsprozesse gar nicht eingebracht. Ich finde sowohl das kreative Konzept, als auch die Ausführung so kompetent, ich weiß nicht, ob ich so eine schöne Einladung machen könnte. (Kurze Erinnerung an unsere Hochzeitseinladung… OK. Ich kann.)

Auch für weitere Belange der Feier hat das Kind sich alles genau überlegt. Etwa bastelt es Girlanden für alle Türen. Mir wurde en detail erklärt, was für einen Kuchen ich für die Kita backen und wie er dekoriert werden soll. Und ebenso bei der Torte für den Kindergeburtstag. Der vom Kind geplante Ablauf der Tage wird uns Eltern immer wieder und wieder eingebläut. Und demnächst muss ich noch mit dem Kind absprechen, was wir zur Feier in der Familie machen werden. Ich sehe schon vor mir, wie es weitere To-Do Listen diktiert.

Ich finde das alles: süß, toll, kreativ, detailreich, gut organisiert (für ein Kind, das erst 6 Jahre alt wird) und einfach nur begeisternd in jeder Hinsicht.

Die Einladungen kamen bei den Kindern in der Kita genauso gut an. Das Kind erzählte mir, dass sie den ganzen Tag mit ihren Feenstäben in der Kita herumgelaufen seien, jedes einzelne stolz zu den geladenen Gästen zu gehören.

Nachdem ich meinen Kolleginnen von all dem erzählt hatte, meinte eine Kollegin:

„Ja, dein Kind wird später wohl auch mal im Event Management arbeiten.“

Da mussten wir alle sehr lachen.

Was nun?

Ich bin kein Fan von guten Vorsätzen. Deshalb habe ich auch keine. Aber ich habe Ideen, was ich so in nächster Zeit tun möchte:

  • Viel Tee trinken. Tee ist so schön gemütlich und so vielfältig. Ich liebe Tee.
  • Mehr lesen und mit Dr. Mama Caro über Bücher plaudern.
  • Zwei mal die Woche zum Tuchyoga gehen. Mit Mo, wenn sie Zeit und Lust hat, ist es noch schöner.
  • Wieder über Haushalt schreiben und mit Tante Emma darüber plaudern.
  • Mehr Episoden aus meiner Kindheit aufschreiben. Über Musik, Freunde (EKFG), Essen, Feste, Fröhliches, Trauriges.
  • Über Wohnen und das Private und Öffentliche schreiben. Und wie man das Wohnen verändern könnte, damit es mehr Leuten gut tut. Und warum Haushalten so anstrengend ist und wie sich das entwickelt hat.
  • Nähen. Z.B. Upcycling von alten Klamotten, meine gekauften Stoffe vernähen zu schönen Schals, Mützen, Kleidern.
  • Für ein paar Menschen, die in meinem Leben wichtig sind, etwas besonderes machen.
  • Klarheit über ein paar wichtige Dinge erlangen.
  • Freundinnen und Freunde treffen.
  • Nach Kanada fliegen, wenn es finanziell geht.
  • Mehr schlafen.

Das Uiuiui Kind möchte:

  • Ins Westfalenbad gehen mit der Tante und dort die gleiche Nahrung essen, wie letztes Mal.
  • Den Geburtstag im Zoo feiern.
  • Reiten gehen.
  • Nochmal ins Westfalenbad.
  • Duschen.
  • Mit Oma und Opa ins Lago gehen.
  • In die Schule gehen.
  • Einen Hund bekommen.
  • Mit Oma und ihrem und unserem Hund spazieren gehen.
  • Den Geburtstag Zuhause feiern mit ganz viel Deko und mit Übernachtungsparty. Und tagsüber reiten gehen.
  • Tolle Geburtstagsgeschenke.
  • Kein Silvester feiern. Keine Böller werfen und auch nichts trinken.

Rückblick

Die Zeit vor Silvester ist die typische Zeit, um:

  1. Zurück zu blicken und sich die Höhepunkte des Jahres nochmal zu vergegenwärtigen
  2. Nach vorn zu blicken und sich Vorsätze zu machen

Ich werde beides hier auch ein wenig machen, um ein wenig Anpassung an kulturelle Gepflogenheiten zu demonstrieren. Heute blicke ich zurück.

Meine eigenen Lieblingstexte dieses Jahr

Von April bis Dezember in chronologischer Reihenfolge:

Einer der ersten Texte über Gefühlsmanagement war dieser Post über die Zeit zu zweit mit meinem Kind im Urlaub im April, der wunderschön und entspannt war. Es geht darum, warum uns kindliche Gefühlsausbrüche zuweilen nerven können, selbst wenn wir im Urlaub sind und ihnen entspannt entgegenblicken könnten. Und ich beschreibe, wie ich diese Gefühlsausbrüche mit meinem Kind gemeinsam bewältige. Ich lese den Text auch deshalb gern, weil ich mir so diese Zeit nochmal vor Augen führen kann, denn dieses Glück scheint mit all seinem Licht grade so weit weg zu sein.

Dann mag ich auch diesen – ebenfalls im Urlaub entstandenen Text über meinen Mangel an Erziehungszielen und an Lebenszielen ganz allgemein. Weil es mir die Möglichkeit gibt mich zu fragen, ob das so noch stimmt. Habe ich immer noch nur Ideen und keine Ziele? Ich weiß es nicht ganz sicher. Aber ich würde diesen Text bezogen auf die Lebensziele heute so nicht mehr schreiben. Bezogen auf die Erziehungsziele unterschreibe ich nach wie vor jedes Wort.

Einer meiner absoluten Lieblingstexte ist der über liebevolle Gesten. Immer wieder und wieder möchte ich ihn eigentlich posten, wenn mal wieder die Lieblosigkeit von Eltern beobachtet und beklagt wird, die man in der Öffentlichkeit gesehen hat und kaum bis gar nicht kennt. Oder wenn ich mich selbst dabei beobachte, wie ich andere Eltern verurteile, weil sie meine liebevollen Gesten nicht teilen. Ich möchte immer wieder daran erinnern, dass wir nur selten nah genug an Familien dran sind, um ihnen tatsächlich einen Mangel an liebevollen Gesten diagnostizieren zu können. Weil wir nicht wissen, welche liebevollen Gesten diese individuellen Kinder verstehen und sich wünschen. Weil wir die liebevollen Gesten der Eltern vielleicht nicht einmal wahrnehmen können.

Ich mag den Text über die Einfühlung, weil ich ihn so schön übersichtlich finde mit der Unterscheidung von Theory of Mind, Mitleid und Mitgefühl.

Der wohl erfolgreichste Text des Jahres war über den Besuch von Herrn Schmitt vom Eltern TÜV, durch den ich mit fliegenden Fahnen durchgerasselt bin. Ich finde den Text heute noch lustig und mag auch die weit weniger beachteten Teile 2 über den Sicherheitscheck unserer Wohnung und 3 über Lähbel aus der Eltern TÜV Reihe. Aber ich gebe gern zu, dass sie an die Qualität und Witzigkeit von Teil 1 nicht heranreichen, weshalb ich die Fortführung der Reihe auch aufgegeben habe.

Es gibt die für Mo gestartete Reihe über Intuition:

  1. Über Intuition als den Kern von Wissen bzw. Fähigkeite und die kulturellen Schichten, die sich darüber legen
  2. Über Intuition als Gegenstück zu Rationalität, im Sinne einer Entscheidungsfindung, die unbewusst wahrgenommene Informationen mit einbezieht.
  3. Über die Transferleistung zwischen physischer, biologischer und psychologischer Intuition.
  4. Im letzten Teil werden die Positionen von Mo, Gewünschtkind und mir durch dir Zusammenfassung eines Podcasts auf drei verschiedene Perspektiven und ihre wissenschaftlichen Entsprechungen, zusammengefasst.

Der Text in dem ich über Bindung als emotionale Arbeit und die gesellschaftlichen Umstände, die diese Arbeit in guter Qualität ermöglichen: Verbesserungen werden allenthalben von Eltern erwartet, Forderungen an die Gesellschaft sind deutlich seltener und kommen in der bindungsorientierten Beratschlagung oft zu kurz. Das löste übrigens eine Diskussion mit Katrin Ökohippie aus und deshalb schrieb ich noch einen zweiten Text über das Ausmaß der emotionalen Arbeit, die verschiedene Erziehungsstile eventuell auslösen.

Ich finde aber immer noch, dass diese Diskussion den zentralen Punkt meines Textes verkennt, was ich schade finde. Aber ich sehe ein, dass aus pragmatischer und ökonomischer Perspektive von Menschen, die in der individuellen Beratung arbeiten, eine gesellschaftliche Perspektive weniger sinnvoll erscheint. Es wird gern argumentiert, dass sie dem Individuum ja nichts nütze, aber das ist für mich ein Mangel an Transferfähigkeit, der bereits in der Ausbildung für Pädagogik, soziale Arbeit, etc. behoben werden müsste. Die Entwicklungspsychologie selbst leidet daran gar nicht in dem Ausmaß, wie ich befürchtet hatte. Aber ich habe am Institut, wo ich früher gearbeitet habe, selbst erleben können, was für Lücken im Studium von Sozialpädagogik und Sozialarbeit entstehen können und wie sie zustande kommen. Das führt aber jetzt zu weit vom Thema weg.

Ich habe dann zwei Texte geschrieben, in denen es eigentlich darum geht, wie schädlich harte Urteile für unser Zusammenleben sind. Im Text über nette Mütter geht es darum, dass manche Menschen nicht anerkennen möchten, dass ihre günstige Situation auch viel Glückssache ist und, dass sie – zum Schaden anderer – ihre eigenen Ängste wegblockieren. Der zweite Text plädiert für mehr Gnade, auch sich selbst gegenüber. Das Defizitmodell wollen wir nicht auf unsere Kinder anwenden? Dann können wir auch einen liebevollen Blick auf uns selbst üben.

Meine Schlaftipps für Kinder im Vor- und Grundschulalter habe ich zusammengefasst und diese werden sogar von einer Bestseller-Autorin empfohlen 😉 Ebenfalls gelobt wurde ich von besagter Autorin für diesen nerdigen Text, in dem ich darüber hypothetisiere, warum Kinder so gern das zerkaute Essen in ihrem Mund zeigen: Bäh!

Zuletzt möchte ich noch meinen kleinen Ausflug voller Spitzfindigkeit in die stressfreien Weihnachtsfeste aus meiner Kindheit aufzählen: Meine Tipps für ein stressfreies Weihnachtsfest mit zwei exquisiten Stress-Management-Typen zur Auswahl.

Morgen werde ich anlässlich des neuen Jahres mal nach vorn blicken.

Ich danke allen, die hier gelesen haben und die sich mit mir ausgetauscht haben.

Habt einen guten Rutsch!